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Interview zum Buch "Die Pilgerin"

 

6. In Ihrem letzter Bestseller Das Vermächtnis der Wanderhure geht es zuweilen ziemlich deftig zu – ist die Pilgerin denn keuscher oder machen wir uns falsche Vorstellungen von Pilgerfahrten im Mittelalter?

Für uns sind Abenteuer und Erotik ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Romane. Die Zeiten waren für heutige Verhältnisse unvorstellbar hart, auch wenn die Menschen, die in sie hinein geboren wurden, dies wahrscheinlich nicht so empfanden. Die Erotik war – trotz der Verfeinerung durch die Minnesänger – viel derber als die meisten es sich heute vorstellen können. Man lebte in jenen Zeiten seine Gefühlen und Begierden stärker aus. Davon zeugen Sühnekapellen, Kirchen und Klöster, die ihr Entstehen dem schlechten Lebenswandel der Stifter verdanken, die in späteren Jahren um ihre unsterblichen Seelen zu fürchten begannen.
Die Erotik in der Pilgerin ist also sicher eine andere als in der Wanderhure, eine Pilgerfahrt diente ja zur Reinigung der Seele. Trotzdem gab es auf den langen Wegen immer wieder Anfechtungen – und nicht wenige erliegen diesen ...

7. Im Laufe der Geschichte besuchen Ihre Leser wichtige Stationen des Jakobswegs – könnte man auf den Spuren der Pilgerin auch heute nach Santiago de Compostela kommen? Wie nah bleiben Sie in Ihrem Roman an der historischen Wahrheit, und gibt es für Ihre Figuren und Schauplätze reale Vorbilder?

Der Weg der Pilgerin folgt bis auf winzige Abweichungen den in jener Zeit gebräuchlichen Pilgerwegen nach Santiago, die auch heute noch existieren. Ulm und Einsiedeln waren Sammelpunkte der Santiagopilger und in Frankreich benutzte die Pilgergruppe mit Tilla mit der Via Podiensis, sprich der Strecke über Le Puy einen der meistbegangenen Jakobswege in Frankreich. Die meisten Kirchen und Plätze, an denen unsere Pilger vorbei kommen, sind daher real. Ebenso real war der hundertjährige Krieg und der Kampf um den Thron Kastiliens. Das Vorbild der Stadt Tremmlingen war die Stadt Donauwörth, die ebenso wie unser Städtchen mehrfach den Begehrlichkeiten der bayerischen Herzöge ausgesetzt war. Der einzige Grund, weshalb wir nicht Donauwörth als Heimat unserer Pilgerin gewählt haben, lag in ihrem familiären Umfeld und dem Kampf um "ihre" Stadt.

8. Viele Autoren bewohnen abgelegene Domizile, um an ihren Werken zu schreiben. Wo schreiben Sie und wie schaffen Sie sich die richtige Atmosphäre um Ihre historischen Figuren zum Leben zu erwecken?

Eine gewisse Abgeschiedenheit beim Schreiben ist auch für uns unverzichtbar. Jeder von uns besitzt sein eigenes Arbeitszimmer und wir vermeiden es nach Möglichkeit, uns gegenseitig zu stören. Die Atmosphäre in unseren Romanen entsteht durch ein intensives Eintauchen in die entsprechende Zeit, in die Landschaft und die jeweilige Kultur, sei es durch Recherchereisen, Sachbücher, Bildbände oder Filme auf Video oder DVD.

10. Woran schreiben Sie gerade? Verraten Sie uns, ob es eine Fortsetzung der Pilgerin gibt? Worauf dürfen sich Ihre Leser freuen?

Derzeit nimmt ein Roman gestalt an, der im dreißigjährigen Krieg spielt und von einer jungen Frau handelt, die von einem rachsüchtigen Hexenjäger verfolgt wird. Ob es eine Fortsetzung der Pilgerin geben wird? Nun, wir haben zwar eine Idee notiert, doch warten noch viele andere Romane darauf, von uns geschrieben zu werden.

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